STIMMEN ZUM SPIEL
FOTOS/TEXT: ERNST SIEPMANN
Haste. „Finale oho, Finale, ohoooo!“ Die Fans des SV Engern und des FC Hevesen u haben sich Pfingstsamstag dick im Kalender angestrichen. Alle anderen Sportfreunde natürlich auch. Dann geht’s nach Lindhorst, zum Kreispokalfinale. Nur noch ein kleiner Schritt, ein kurzer Griff, und der Pokal ist unser! Denkt jeder Spieler, wenn da nicht der äußerst motivierte Gegner wäre. Doch erst mal herrscht die Freude über den Pokaleinzug. Der SV Engern (4:1 beim SV Auetal) und FC Hevesen (gestern 3:2 beim ETSV Haste) haben es geschafft. Auch die Zuschauerzahlen sprechen für sich: 302 + 341 = 642 Besucher in beiden Spielen. Vielleicht lässt sich die Tausender-Marke sogar in Lindhorst knacken.
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Den Bericht über das Spiel in Haste dürfen wir voraussetzen. Für die Wenigen, die ihn noch nicht gelesen haben, die Empfehlung: Einfach runterscrollen, lesen, schlau machen und voll im Thema sein. Aber wie sahen die Protagonisten die Partie? Wir hörten nach bei Teilnehmern und Sportfreunden von Bedeutung:
Alexander Kruse (Torwart FC Hevesen)
„Die ersten Minuten waren ein bisschen schwer. Wir mussten erst ins Spiel hereinkommen. Haben uns aber gut gefangen, den Ball hinten prima herausgespielt und mit ein paar Diagonalbällen ins Spiel gefunden. Für Dennis (Kleiber) war das Tor sehr schön, weil er nach langer Zeit wieder getroffen hat. Aber es ist immer so: Wenn du mit 2:0 führst und denkst, jetzt ist es gewuppt, kommt ein Unglückstor. Wir waren gleichzeitig am Ball. Aber der Ball springt raus, der Verteidiger will klären und schießt den Haster dann an. Statt über das Gegentor zu ärgern wollen wir uns über den Super-Freistoß freuen. Das kann der „Matsche“ (gemeint ist Mattes Wilharm), das macht er auch mal öfter. In der Nachspielzeit wusste ich, da brennt nichts mehr an. Wenn man den Ball festhält, ist alles gut.“
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Mattis Koch (Spieler ETSV Haste)
„Wir haben am Ende unglücklich verloren durch einen traumhaften Freistoß. Von dreihundert Schuss geht einmal solch ein Ball rein. Das 0:1 nach einem Einwurf kriegen wir nicht verteidigt im Fünf-Meter-Raum. Dann noch ein Tor, wo wir über den Ball treten, von Hevesen dann quergelegt und er ist drin. Aber alles in allem war es eine starke Leistung von Haste. Ich bin jetzt 23 Jahre alt, spiele seit der Jugend beim ETSV. Für mich dies dieses Halbfinale der größte Erfolg gemeinsam mit dem Aufstieg damals in die Kreisliga. Über meine Zukunft im nächsten Jahre habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Will erst mal sehen, wie die Saison für uns ausgeht. Es wird ja noch mal eng und schwierig. Heute hat sich ein wichtiger Spieler verletzt (Finn Wilmsmeier). Dann haben wir zwei Gelb-Gesperrte. Wird Sonntag schwierig in Bückeburg, aber wir hauen natürlich alles rein.“
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Maximilian Renner (Schiedsrichter, SV Nienstädt 09)
„Beide Mannschaften hatten Lust. Es war ein schönes Spiel! Zu Ihrer Zusatzfrage, Sie brachten meinen Verein SV Nienstädt 09 ins Gespräch. Natürlich freut mich die Entwicklung, auch unsere gute Chance zum Aufstieg. Aber ich bin als Schiedsrichter sehr oft im Einsatz. Von der 30 Spielen in der Saison sehe ich vielleicht mal drei.“
Michael Schmidt (Spartenleiter ETSV Haste)
„Natürlich ist so ein Halbfinale mit Arbeit verbunden, aber für die Jungs mache ich das gerne. Die ersten fünf Minuten waren von Nervosität geprägt. Aber danach haben sie sich gefangen. Durch einen individuellen Fehler gerieten wir mit 0:1 in Rückstand. Dann folgte sogar das 0:2. Manche hielten uns bereits für tot, aber durch eine kämpferische Leistung holten wir das 1:2 heraus und es wurde zum Spiel mit offenem Visier. Es hätte genauso Unentschieden ausgehen können und uns ein Elfmeterschießen präsentiert. Seit etwa dreißig Jahren standen wir als ETSV mal wieder in einem Kreispokal-Halbfinale. Für den Ort Haste, der sich aus der 4. Kreisklasse aufgeschwungen hat, ist das ein Riesen-Ding. Der Zuschauerzuspruch war ja nicht nur aus Hevesen, sondern auch aus Haste ganz groß. Vor dieser tollen Kulisse haben wir gezeigt, dass Haste auch fanmäßig gut mithalten kann. Auf mein Team bin ich stolz, dass wir so weit gekommen sind. Hoffe am Ende, dass wir die Klasse vielleicht noch halten. Es wird schwer. Aber ich bin guter Dinge. Wird es nicht passieren, sehen wir uns in anderthalb Jahren wieder.“

Reinhard Stemme (NFV-Kreisvorsitzender)
„Gelegentlich werde ich gefragt, wieso das Endspiel denn in Lindhorst stattfindet. Die Entscheidung trifft der Spielausschuss. Frank Fahlbusch und sein Team geben das ein halbes Jahr vorher bekannt. Für den Zuschlag gelten gewisse Kriterien. Ein Schwergewicht bei der Entscheidung ist ein Vereinsjubiläum. Natürlich muss die Infrastruktur auch stimmen. Durch die Corona-Wirren wurden wir in der Planung etwas zurückgeworfen. So hat der SV Obernkirchen, der 2020 sein 100-jähriges Jubiläum feierte, mit zwei Jahren Verspätung das Kreispokalfinale ausrichten können. Diesmal ist’s Lindhorst, die im gleichen Jahr wie Obernkirchen das Hundertjährige vollendeten. Es gab verschiedene Bewerber. Es muss nicht unbedingt ein Kreisligist sein, der den Zuschlag bekommt. Jeder Verein aus Schaumburg kann die Bewerbung einreichen.“
Marco Gregor (Trainer SV Engern, Pokalfinalist)
„Herzlichen Glückwunsch an den FC Hevesen. Es ist eine tolle Leistung und auch außergewöhnlich, zweimal in Folge das Endspiel zu erreichen. Das gebührt einen Riesen-Respekt! Ich hatte zwar im Vorfeld gesagt, dass ich mit meinen Mannschaften gegen Hevesen immer ganz gut ausgesehen habe. Aber ehrlich gesagt, das ist alles Bullshit. Wenn Haste das Endspiel erreicht hätte, hätte der ETSV es genauso verdient. Es ist nun mal so, du musst deine Spiele gewinnen. Und wer am Ende das Endspiel bestreiten darf, der hat es auch verdient. Da gibt es kein Wunschdenken. Ich hätte es Haste genauso gegönnt wie ich es Hevesen gönne.“
Marcel Diedler (Spartenleiter SC Auetal, im anderen Halbfinale ausgeschieden)
„Meine Tränen sind getrocknet. Wir waren im Pokalhalbfinale, sind in der Liga auf Platz 1. Ich spreche von einer überaus guten Saison. Der SV Engern hat im anderen Halbfinale gegen uns verdient gewonnen. Solche Spiele gibt es, das muss man einfach akzeptieren. Da heißt es Mund abputzen und nach vorne gucken. Ich bleibe dabei, dass ich Marco Gregor den Titel gönne. Er ist ein Taktikfuchs. Es wird für Engern sicherlich ein schweres Endspiel, aber mein Herz schlägt an der Stelle für den SV Engern. Aus Distanz heraus kann ich zum Halbfinale hier in Haste wenig sagen. Ich hatte erwartet, dass es ein enges Spiel wird, dass Haste vielleicht sogar das Ding drücken kann. Am Ende des Tages hat der Favorit gewonnen. Das ist dann keine Überraschung.“