Handball. Marc Siegesmund hat seine eigene sportliche Karriere Anfang der 2000er Jahre beendet und schlug den Weg des Trainers ein. Aktuell trainiert der 46jährige Vater von zwei Kindern den Drittligisten MTV Großenheidorn. Während seiner aktiven Laufbahn spielte Siegesmund in der ersten und zweiten Bundesliga.
Der Linkshänder spielte als Rechtsaußen und im rechten Rückraum. Er spielte unter anderem beim SC Magdeburg, Dessauer HV und dem VfL Hameln in der ersten Bundesliga, mit Hameln später auch in der zweiten Liga. Los ging es in der Kaderschmiede des SC Magdeburg, von dort ging es direkt nach Dessau in die erste Bundesliga. Eineinhalb Jahre dauerte die Zeit in Dessau, es schloss sich ein halbes Jahr in Magdeburg an. Von dort ging es in die Rattenfängerstadt Hameln, wo Siegesmund von 1993 bis 2001 spielte. Dort beendete er seine Karriere als Profi, wechselte in die Oberliga Niedersachsen zur TSG Emmerthal. Der größte sportliche Erfolg war mit Hameln das Erreichen des Finales um den Europapokal. Dort unterlag Hameln dem norwegischen Verein Drammen HK.
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Die Zahntechnik war zu Profizeiten Hobby und wurde jetzt zum Beruf. Dem Handball erging es anders herum, der Sport wurde zum Hobby wenn auch ein ziemlich umfangreiches. In Emmerthal ergab sich die Situation, dass Siegesmund das Amt des Spielertrainers angeboten wurde. Er nahm an, verhinderte erfolgreich den Abstieg und entwickelte Emmerthal zu einer soliden Oberligamannschaft. Der besondere Reiz des Trainerjobs liegt für Siegesmund in der Weitergabe der eigenen Erfahrungen, vor allem dann, wenn Spieler sich unter seiner Führung sichtbar verbessern. Als Stärke benennt der Coach sein Einfühlungsvermögen in die mentale Verfassung der Spieler, als Schwäche das ab und an verlieren in vielen Details sowie das manchmal „zuviel auf einmal erreichen wollen“.
Als Herrentrainer blieb Siegesmund in der Oberliga, neben der TSG Emmerthal und dem SV Alfeld kamen die SG Hohnhorst/Haste sowie der MTV Großenheidorn hinzu. Es folgten Engagements als Jugendtrainer bei der JSG Weserbergland und dem VfL Hameln, ehe er nach Großenheidorn zurück kehrte und dort mit dem Aufstieg in die 3. Liga in der vergangenen Saison seinen größten Erfolg als Trainer feierte. Eines allerdings gelang ihm nie: Mit der SG Hohnhorst/Haste schaffte er nie einen Derbysieg gegen Großenheidorn. „Heidorn zeigte uns immer, wo der Hammer hängt, damals noch mit Spielern wie Bertrand Salzwedel, Meiko und Christoph Lindemann“, wir hatten keine Chance“, erinnert sich Siegesmund.
Im derzeitigen Kader des aktuellen niedersächsischen Meisters stehen samt und sonders Spieler, die den Sport beherrschen. Einige hätten sich aber besonders entwickelt, so Siegesmund. Dazu zählt Till Hermann, der Linksaußen habe sein Wurfbild deutlich verbessert, Maurice Nolte mit seiner großartigen Auffassungsgabe und dem Talent, die nötigen Dinge umzusetzen. Dann der Youngster Sven Bretz, der sehr an der Verbesserung seiner Abschlüsse arbeitet sowie Kreisläufer Björn Öttermann, der mit seinem hohen Ehrgeiz nie aufgegeben und sich durchgebissen hat. In der Seeprovinz findet der Coach immer wieder eine großartige Zusammenarbeit, viele Menschen sorgen dafür das alles läuft. „Besonders seit wir in der 3. Liga spielen, wo es einen nochmal höheren Aufwand braucht, reißen sich hier viele ein Bein aus, um das alles zu ermöglichen. Das ist bemerkenswert“, sagt Siegesmund.
Nach dem Aufstieg wurde die Mannschaft nur durch den Ex-Hamelner Torwart Zsolt Kovacs verstärkt, aus Sicht des Coaches hatte es sich die Mannschaft verdient, in der 3. Liga zu spielen. Der geringe Etat des kleinen MTV Großenheidorn ließ zudem die Verpflichtung von teuren Drittligaspielern nicht zu. Nicht vorherzusehen waren die langwierigen Verletzungen von zwei überaus wichtigen Stammspielern wie Thorben Buhre und Niklas Hermann. Das es herbe Klatschen geben würde war klar, aber Siegesmund unterstreicht seine Meinung deutlich: „Diese Mannschaft ist unglaublich stark. Noch nie ist mir eine Mannschaft begegnet, deren Zusammenhalt so groß ist. Die es schafft, nach einer Niederlage im Training den Kopf wieder frei hat, nach vorn sieht und weitermacht. Das beeindruckt mich immer wieder“.
Momentan stehen die Seeprovinzler im Abstiegskampf, die Hoffnungen liegen jetzt auf der Rückkehr von Niklas Hermann zu Beginn der Punktspiele im neuen Jahr. Hermann hatte trotz seiner Schulterverletzung einige Einsatzzeiten, zeigte vor allem beim ersten Auswärtssieg gegen die SG VTB/Altjührden seine Fähigkeiten. Fünf Tore machte Hermann selbst, viermal setzte er Öttermann am Kreis in Szene. Das selbst abschließen und das Auge für den Mitspieler machen Hermann so wertvoll für die Seeprovinzler. „Wir haben die Hoffnung, dass dadurch ein neuer Impuls gegeben wird. Da wir nun wissen, wie es in der Liga läuft hoffen wir nun die nötigen Punkte für den Klassenerhalt zu holen“, meint Siegesmund.
Neben aller Belastung als Profi und Trainer blieben Siegesmund zwei Ereignisse besonders im Gedächtnis. Da wäre der Hamelner Sieg beim THW Kiel, wobei 10000 Zuschauer sehr still wurden. Und dann das Finale um den City-Cup Europapokal, das zwar gegen Drammen HK verloren ging, aber: „Die verrückten Norweger sind eine bleibende Erinnerung geblieben“, sagt Siegesmund.