HINTERGRUND FÜR SPIELERABGÄNGE BLEIBT IM DUNKELN - ZURÜCK BLEIBT EIN SCHERBENHAUFEN

Bückeburg. Der VfL Bückeburg beendet eine Krise mit einer Presseerklärung - Thema abgehakt. Wenn es nur so einfach wäre, dafür würde der eine oder andere Beteiligte einiges geben. Der VfL taumelte schon lange dieser Krise entgegen, schließlich ungebremst hinein und zeigte sich schlicht überfordert. Ein Rückblick: Am Dienstag, 31. August wurde der Spieler Finn Fischer überraschend von VfL-Coach Torben Brandt aus dem Kader geworfen. Zwei Tage später, Donnerstag, 2. September kam es zu einem Gespräch zwischen Mannschaft und Trainer, ohne den kommissarischen Spartenleiter und Cotrainer Falko Rohrbach, mit dramatischen Folgen. Sieben Spieler solidarisierten sich aus jeweils eigenen Gründen mit Fischer und verließen die Mannschaft. Rohrbach und Brandt wurden auf dem falschen Fuß erwischt, guter Rat war teuer.

Ein seit Jahren schwelender Konflikt war ausgebrochen, nicht wenige hatten das schon viel früher erwartet. Es brauchte Sündenböcke, selbst die Verantwortung zu übernehmen kam nicht in Frage. Vermeintlich Schuldige waren schnell gefunden. Zum einen die „abtrünnigen“ Spieler, zum anderen Thorsten Rinne, langjähriger erfolgreicher Jugendtrainer beim VfL, aktuell Trainer des Kreisligisten FC Stadthagen. Warum Rinne? Einfach zu beantworten: Der saß am 29. August beim Auswärtsspiel des VfL in Pattensen auf der Tribüne, nutzte eine kurze, im Vorfeld mit Vorstand, Cotrainer und Mannschaft abgestimmte Auszeit beim FC, wollte an seinem Geburtstag samt Familie seinen Söhnen Finn Fischer und Nils Rinne zuschauen. VFL-Fußballobmann Hans Hößler und Pressesprecher Murat Akgün gratulierten Rinne, während sich die Mannschaften aufwärmten. Rohrbach und Brandt eilten direkt vor Spielbeginn zur Gratulation auf die Tribüne.

Nach dem Pattensen-Spiel nahm das Drama seinen Lauf. Acht Spieler, von denen einige den Verein nicht verließen, saßen in der Kabine, Rohrbach hörte sich alles in seiner Funktion als Spartenleiter an und versprach Hilfe durch weitere Gespräche. Am Montag traf er Fischer und Cedric Schröder, die als Sprachrohr für einen großen Teil der Mannschaft kamen, sicherte ihnen Vertraulichkeit zu. Die hielt er nicht ein, informierte den Trainer und tags drauf wurde Fischer allein hingehängt und raus geworfen. Schröder, der die gleiche Meinung wie Fischer vertrat, blieb unbehelligt. Rinnes Anwesenheit beim Spiel löste im Nachhinein bei Brandt und Rohrbach eine fast schon paranoide Inszenierung aus, eine vermeintliche Verbindung zu Rinne war schnell hergestellt. Es wurden Informationen an Medien durchgesteckt, die Sache kam ins Rollen. Die Presse nahm das Thema auf, schrieb und kommentierte, trieb auch in der Folge das berühmte Tier durch das ebenso berühmte Dorf. Geschafft, Schuldige gefunden, Pressemitteilung mit dem Hinweis auf „die nicht verhandelbaren Ziele und Werte“, explizit Vertrauen und Loyalität, Thema abgehakt - aber zu viele wissen um die tatsächlichen Ereignisse.

Denn die seit Jahren aufkommende Kritik an Brandt und irgendwann auch an Rohrbach summierte sich, war aber immer mit dem Bekenntnis der gesamten Mannschaft zum VfL Bückeburg und leistungsorientiertem Fußball verbunden. Der Höhepunkt wurde vor zwei Monaten erreicht, irgendwann ging es eigentlich nur noch um die Frage: Zieht der Trainer oder die Spartenleitung Konsequenzen? Weder noch, Rohrbach in seiner Doppelrolle als Cotrainer und Spartenleiter hatte sich selbst gefangen. Als Cotrainer muss er die Entwicklung mitbekommen haben, als Spartenleiter handelte er nicht. Hat er weder als Cotrainer und auch als Spartenleiter nichts mitbekommen zeugt das von wenig Kompetenz. Das von Vertrauensmissbrauch gemunkelt wird, macht es nur noch schlimmer. So oder so, die nötige Distanz für Entscheidungen fehlt.

So wurden - entgegengesetzt zu den verkündeten hehren Zielen - Vertrauen, Loyalität und Identifikation mit Füßen getreten. Um den eigenen Posten zu retten, ein anderer Schluss bleibt da nicht. Die als „Boykotteure“ bezeichneten Spieler waren seit mehr als zehn Jahren für den VfL aktiv, holten zahlreiche Erfolge und Aufstiege. Sie wollten, wie die gesamte Mannschaft, dem Begriff „leistungsorientiert“ neues Leben einhauchen, mit dem VfL wieder erfolgreich sein. Die Identifikation mit dem Verein war so stark, dass sie regelmäßig lukrative Angebote anderer Vereine ausschlugen. Mehr geht nicht. Für Trainer Brandts Schreckgespenst Rinne gilt das gleiche. Seit mehr als 20 Jahren Sponsor, Förderer, Fan und überaus erfolgreicher Jugendtrainer wird er haltlos als Spalter und auf den VfL-Trainerposten spekulierender Mensch dargestellt.

Der tatsächliche Höhepunkt der Krise fand schon vor zwei Monaten seine krachende Entladung. Die Spartenleitung hatte Zeit genug, um zu handeln. Sie hat gehandelt, mit dem bekannten Ergebnis: Acht wertvolle Spieler, dass Herzstück der Mannschaft, weg, ein externer Trainer grundlos beschuldigt, Vertrauen der Spieler gründlich zerstört, Mannschaft gespalten, Identifikation und Loyalität ad absurdum geführt. Dazu passt auch das Vereins-Statement zu den Vorfällen. Wer leistungsorientiert, erfolgreich und zielorientiert spielen will findet seine Heimat wohl nicht mehr beim angeblich „familiären“ VfL Bückeburg. Die handelnden Funktionäre und Trainer des VfL haben das Schild „Aushängeschild des Schaumburger Fußballs“ abmontiert.

Zwei Rücktritte wären - branchenüblich - fällig, stattdessen gab es die Verbreitung von falschen Tatsachen und Fehlinformationen. In diese Handlungsweise passte der inszenierte Rauswurf eines Spielers. Ein externer Trainer wurde grundlos in die Krise hineingezogen und zum Angriffsziel, ein unbeteiligter Verein in einigen Kommentaren lächerlich gemacht. Die tatsächlichen Gründe und Abläufe der Krise wurden verheimlicht. Der Konkurrenz gefällt diese beispiellose Selbstdemontage bestimmt.

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